Freitag, 11. April 2014

JA zum Mindestlohn

Am 18. Mai haben die Schweizerinnen und Schweizer die historische Chance einen gesetzlichen Mindestlohn einzuführen. 22 Franken pro Stunde klingen in Deutschen Ohren recht hoch. Doch während in Deutschland mehr als 15% weniger als 8,50€ erhalten, fallen in der Schweiz nur rund 9% der Arbeitenden unter die Grenze von CHF 22. (Auszubildende ausgenommen)

Nichtsdetotrotz ist den Bürgerlichen kein Horrorszenario zu dramatisch, um es vor der Abstimmung auszugraben und auf Plakate zu bringen.

video
Ich hab nun angefangen einzelne "Argumente" in kleinen Videos zu widerlegen und hoffe es gefällt euch.

Montag, 29. Oktober 2012

Multicheck? Nein danke!

Multicheck? - Was soll denn das?
Die Multicheck-Eignungsanalyse wird von zahlreichen Unternehmen gefordert, um die Qualifikation der BewerberInnen auf Lehrstellen zu prüfen. Schulnoten sind diesen Unternehmen nicht mehr Aussagekräftig genug, da verschiedene Lehrpläne, unterschiedliche Bildungssysteme und Privatschulen eine Vergleichbarkeit der Noten erschweren.
Deshalb hat sich die Multicheck AG zum Ziel gesetzt die zuknftigen Lehrlinge, ihre Eignung und ihr Potenzial in Zusammenarbeit mit interessierten Unternehmen durch einen standardisierten Test, erneut zu schikanieren.
Mehr als 30 0001 BewerberInnen führen dafür pro Jahr diese Tests durch und die, die sich das leisten können, lassen sich Vorbereitung und Durchführung ordentlich etwas kosten.
  • Kaufmann/Kauffrau (CHF 100)
  • Technisch (CHF 100)
  • ICT (CHF 100)
  • Detailhandel/Service (CHF 70)
  • Gewerbe (CHF 70)
  • Gesundheit/Soziales (CHF 80)
  • Beauty (CHF 70)
  • Attest (EBA) (CHF 60)
In dieser Auflistung sind natürlich nur die Kosten zur Durchführung der Tests aufgeführt. Neu hat nun die Multicheck AG auch ihre Zahlungsmodalitäten geändert, sodass die Tests nur noch mit Postcard, Postkonto eFinance, Mastercard, VISA oder Paysafecard. Es stellt sich die Frage, ob alle 15Jährigen ein Konto oder eine Kreditkarte haben... Aber vielleicht wissen sie ja was eine Paysafecard ist oder sie lernen es mit Hilfe des Lehrvideos auf der Homepage.

Da sich das Potenzial und die Eignung junger Leute sehr schnell ändert, ist ein solcher Multicheck nur ein halbes Jahr gültig und schon dürfen die KandidatInnen die Kassen der Multicheck AG erneut klingeln lassen.
Quelle Facebook

Genug Zynismus...
Es ist unsäglich, dass private Unternehmen über Potenzial und Eignung junger Menschen entscheiden. Natürlich sagen auch Schulnoten nicht viel über einen Menschen und seine Potenziale aus, aber ein solcher Test dient dem eben auch nicht. - Schon gar nicht, wenn man mit solchen Tests Gewinne auf Kosten von Mittellosen erwirtschaftet. Das ist ein Meilenstein der Unterhöhlung unseres Bildungssystems. Ein Schulsystem, das auf gesellschaftlichen Werten gewachsen ist, wird durch Unternehmen, die auf der Suche nach Humankapital sind unterwandert.

Bei meinen Recherchen führte ich einen Berufswahltest der Multicheck AG durch. (Der ist im Vergleich zur Eignungsanalyse gratis, nutzt aber in der Bewerbung auch nichts.) und mein Ergebnis seht ihr hier:

Ich mag Technik, das stimmt. Aber nur weil ich gerne Selbstbau-Möbel aufstelle und Überraschungseier-Figuren nach Plan zusammenbastle bin ich sicher noch keine wirklich gute Konstrukteurin (Ganz so dämlich waren die Fragen im Test nicht)
Allerdings zeigt der Test auch noch etwas anderes spannendes: nämlich, dass ich auf keinen Fall mit Menschen in sozialen Zusammenhängen oder im Bildungsbereich zu tun haben sollte... Na verraten wir das lieber nicht den BerufsschullehrerInnen, die mich auf ihre Klassen los lassen.
Und das beste kam am Schluss: Ich konnte meine Daten auch gleich bei Multicheck Gateway hinterlegen und mich von Arbeitgebern kontaktieren lassen.

Wer steckt eigentlich hinter der Multicheck AG
Spannend war dann besonders zu schauen wer so alles hinter der Multicheck AG steckt. Also recherchierte ich bei Moneyhouse und fand folgende Namen im Verwaltungsrat:
  • Rolf Portmann (Präsident)
  • Adrian Krebs (Geschäftsleitung)
  • Sandra von May-Granelli
  • René Zahno (VR-Sekretär)
Rolf Portmann (Präsident) 
War früher Direktor der Berner Handelskammer und FDP-Grossrat bis 2006.2 Derzeit in 17 Verwaltungsräten aktiv.3 Ausserdem Geschäftsleitung der Bernischen Wirtschaftsmessen GmbH 4
Adrian Krebs als Geschäftsführer und René Zahno sind beide verwurzelt beim Feusi Bildungszentrum, einer Privatschule. Herr Krebs legte dort seinen Fachausweis als Erwachsenenbildner ab und Herr Zahno arbeitet als Leiter der Berufs- und Lernberatung des Feusi Bildungszentrums.

Besonders interessant ist jedoch Sandra von May-Granelli. Sie ist Rektorin der Feusi Privatschule. Früher war sie Verwaltungsrätin der KPT und der Berner Kantonalbank. Die Finanzmarktaufsicht hat sie und andere in dieser Funktion suspendiert. Hintergrund ist eine Affaire um die geplante Fusion der KPT mit Sanitas.5 Ausserdem gibt es eine längere Zusammenarbeit zwischen Feusi und Multicheck.6

Die Feusi Privatschule sucht intensiven Kontakt zur Wirtschaft und versucht die SchülerInnen entsprechend den Bedürfnissen der Wirtschaft aus- und weiterzubilden.
Natürlich liegt bei der Konstellation der Verdacht nahe, dass PrivatschülerInnen der Feusi allgemein besser abschneiden als SchülerInnen staatlicher Schulen. Leider ist das in dem Verlauf meine kleinste Sorge.

Die Multichecks für Lernende unterhöhlen das staatliche Bildungssystem. Der Fokus liegt auf Leistung im Bereich finanziell verwertbaren Kriterien am Menschen. Nicht jedoch auf Lehrplänen, die einvernehmlich mit gesellschaftlichen Werten und Konventionen ausgehandelt wurden. Die Bewertung eines Schülers/einer Schülerin durch Lehrpersonen, die im Idealfall mehr aussagt als eine Zahl, wird untergraben durch vereinheitlichte Tests. Es geht hier nicht um Fähigkeiten, Eignung und Persönlichkeit eines Menschen sondern um die Schaffung von vergleichbaren verkürzten Fakten.
Diese Tests sind nicht auf die Bedürfnisse der Menschen, sondern auf die Bedürfnisse der Unternehmen ausgerichtet.
Ein solcher Test spiegelt nur eine Momentaufnahme wider und kann (bei aller psychologischer Fähigkeit, die ich den ErstellerInnen zutraue) keine persönliche Eignung oder Neigung aufnehmen. Damit wird ein Teil der Jugendlichen ausrangiert ohne, dass sie eine Chance erhalten. - Eine gigantische Verschwendung an Potenzial.

Ausserdem werden Kinder aus finanzstarken Familien bevorzugt. Für Kinder aus finanziell soliden Haushalten spielt es eine untergeordnete Rolle wie viele Multichecks sie machen und wieviel die Vorbereitung kostet.

Es stellen sich an diesem Beispiel grundsätzliche Fragen wie wir Gesellschaft und Ausbildung organisieren wollen und wie weit wollen wir Unternehmen in unsere persönliche Entwicklung einbeziehen wollen.

Fazit: Multichecks abschaffen!

1http://www.multicheck.ch/de/eignungsanalyse.html
2 http://www.bern-ost.ch/index.php?p=50&q=34233
3 http://www.moneyhouse.ch/p/portmann_rolf-2839672/verbindungen.htm
4 http://www.moneyhouse.ch/p/portmann_rolf-2839672/verbindungen_gl.htm
5 http://www.bernerzeitung.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Sandra-von-MayGranelli-gibt-BEKBVerwaltungsratsmandat-ab/story/24888966
6 http://www.bern-ost.ch/index.php?p=50&q=34233

Freitag, 21. September 2012

Auftritt bei Telebasel

Diskussion zur Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten in Basel zwischen mir und Jan Tanner, Centerleiter des Einkaufszentrums "Stücki"
http://www.telebasel.ch/de/tv-archiv/&id=366805655

Dienstag, 10. Juli 2012

Die SVP und der Rassismus

Hier ein recht interessanter Artikel zur SVP. Das Verwunderliche ist, dass die Haltung von Parteileitung und Ortsverbänden zum Umgang mit offensiv rassistischen Mitgliedern doch recht auseinander klaffen.

Dienstag, 20. März 2012

Vorbeikommen und Mitmischen!


Was ist ACTA?
Das «Anti-Counterfeiting Trade Agreement» ist ein internationales Handelsübereinkommen zur Bekämpfung von Produkt- und Markenpiraterie. Obwohl das erstmal harmlos klingt, hat es weitreichende Konsequenzen für das Internet aber auch für ärmere Regionen der Welt.

ACTA umgeht demokratische Prinzipien
ACTA entstand unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ärmerer Länder, jedoch mit Unterstützung diverser Lobbies, der Rechteverwertenden und der Industrie. Erst durch die illegale Veröffentlichung wurden Inhalte des Abkommens im Jahr 2008 bekannt. Die neu geplante Institution «ACTA Kommission» wird für die Auslegung des Abkommens verantwortlich sein. Nachdem das Abkommen angenommen wurde, wird sie weiterhin in der Lage sein, ohne jegliche öffentliche Mitbestimmung Änderungen an der Vereinbarung vorzunehmen.

ACTA verschlechtert die Gesundheitsversorgung in Drittwelt- und Schwellenländern
Durch die Ausdehnung von Patentrechten wird es der Generikaindustrie erschwert Medikamente zu produzieren, die für Menschen in ärmeren Regionen bezahlbar sind. Durch ACTA werden nun auch Transitländer in Haft genommen. Wenn günstige Medikamente aus Indien dann bspw. über die Schweiz in Hilfsgebiete transportiert werden, muss die Schweiz als Transitland diese Medikamente zerstören. Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen müssten dann auf die patentierten und überteuerten Medikamente der Pharmariesen zurück greifen.

ACTA ist eine Gefahr für Meinungsfreiheit, Privatsphäre und Datenschutz
Die Interessen der Rechteinhabenden werden fundamentalen Freiheitsrechten übergeordnet. ACTA fördert umfangreiche private Zensur- und Überwachungsstrukturen und die Überwachung der Menschen auf Verdacht und erlaubt explizit, dass teilnehmende Staaten die Regulierung der Meinungsfreiheit in die Hände privater Unternehmen übergeben.

ACTA hindert Innovationen und schadet der kulturellen Vielfalt
Das Abkommen erzeugt lähmende Rechtsunsicherheiten und einen enormen Anstieg von Rechtskosten für Kulturschaffende. Dies begünstigt Monopole und verhindert sogar Innovationen aus Angst vor einer unabsichtlichen Verletzung von Immaterialgüterrechten.

Kein demokratisches Land sollte der Pharma- und Unterhaltungsindustrie einen Blankocheck ausstellen. Schon gar nicht, wenn dieser an eine Verschlechterung der Lebensqualität vieler Menschen gekoppelt ist.
Der Diktatur der Grosskonzerne setzen wir unsere Vision einer demokratischen Wissensgesellschaft entgegen. Dazu gehört der freie Zugang zu Wissen. Angefangen von kostenfreier Bildung für alle - bis hin zum freien Zugang zu allen Forschungsergebnissen, die unsere Gesellschaft hervorbringt.

Eigentum an Wissen ist Diebstahl an Wissen!

Bündnispartner: BastA!, BfS,Chaos Club Basel, Decroissants, Junges grünes Bündnis Nordwest, Juso BS, Juso BL,Piraten beider Basel, Piraten Lörrach, Unia Jugend,

Montag, 27. Februar 2012

Schalten und Walten - Wie`s beliebt...

Im Oktober vergangenen Jahres kündigte Novartis den Abbau von rund 1100 Arbeitsplätzen in der Schweiz an. Es ging um 760 Stellen in Basel und die Werksschliessung mit 320 Arbeitsplätzen in Nyon.

Die Unia als zuständige Gewerkschaft kündigte harte Auseinandersetzungen mit dem Pharmariesen an.

In wenigen Tagen wurde in Basel eine Demonstration organisiert an der rund 1000 Personen teil nahmen und die Westschweizer kündigten auf der Abschlusskundgebungen erste Kampfmaßnahmen an. Es folgte ein langer Prozess zur Erarbeitung von Konzepten zur Rettung der Arbeitsplätze an beiden Standorten.

Das Ergebnis der Kämpfe ist durchwachsen. „In Basel wurde die Anzahl der vom Abbau Betroffenen von 760 auf 670 reduziert. Der grösste Anteil des Abbaus soll über interne Versetzungen und Frühpensionierungen geregelt werden, so dass es noch zu maximal 250 Entlassungen kommen soll. Der Standort Nyon bleibt vollumfänglich erhalten und auf Entlassungen wird verzichtet. Novartis will in den nächsten Jahren gar langfristige Investitionen in den Standort Nyon tätigen.“ schreibt die Gewerkschaft Unia in einer Pressemitteilung.

Schon am Abend der Verkündung der Massenentlassung versammelten sich in Nyon 120 Arbeiterinnen und Angestellte und beschlossen Kampfmaßnahmen gegen die bevorstehende Werksschliessung und schon kurze Zeit später stand die ganze Belegschaft dahinter. ArbeiterInnen und Angestellte kämpften gemeinsam gegen ihre Entrechtung. Auch die Bevölkerung erklärte sich ausnahmslos solidarisch. So begannen Ärzte damit, Novartis-Produkte zu boykottieren.

Mittlerweile werden jedoch rechtskonservative Stimmen laut, die erklären, die Steuergeschenke der Regierung hätten den Standort Nyon gerettet. Richtig ist, dass es diese Steuergeschenke und auch Landumzonungen gibt. Doch ob diese tatsächlich Einfluss auf die Entscheidung von Novartis haben, ist zumindest bestreitbar. Aus Sicht des Novartis-Präsidiums ist es nur logisch, die Standortfrage offiziell von Steuergeschenken abhängig zu machen. Der gewerkschaftliche Kampf wird totgeschwiegen. Man will nicht riskieren, dass Kämpfen zur Gewohnheit wird. Auf der anderen Seite stehen rechtskonservative Politiker, die die nächsten Wahlen gewinnen wollen. Da passt die Rettung von 320 Arbeitsplätzen gut ins Portfolio. Es ergibt sich eine bourgeoise Win-Win-Situation.

Doch was geschah in Basel zur Rettung der Arbeitsplätze? Welche Geschenke und Kämpfe wurden hier geführt?

Am 23. Mai 2002 gab Novartis ihr Campusprojekt bekannt. Ziel war die Schaffung eines attraktiven Forschungs- und Arbeitsstandorts in Basel, um „Spitzenpersonal“ im Forschungsbereich aus aller Welt anzuwerben und zu halten.

Die Schaffung eines attraktiven Arbeitsplatzes ist auch erstmal sehr wünschenswert. Allerdings hatte die Gründung des Campus für die Basler Bevölkerung unerwünschte Nebenwirkungen. Der Campus ist eine eigene Lebenswelt – eine Stadt in der Stadt, die nur einer privilegierten Kaste, den Novartis Angestellten vorbehalten ist. Für alle anderen endet der Weg an einer bewachten Schranke.

Doch damit nicht genug. Im Jahr 2005 kaufte Novartis den Hafen St. Johann von der Stadt Basel für 100 Mio Franken. Damit grenzt der Campus direkt an das Rheinufer. Im Gegenzug dazu verpflichtete sich der Konzern zur Begrünung der Fläche, zur Schaffung von 2000 neuen Arbeitsplätzen und dazu „in Zukunft vermehrt Konzern- und Geschäftsfunktionen mit hoher strategischer Bedeutung und Wertschöpfung - insbesondere Teile des Generika-Geschäfts in Basel anzusiedeln.“ So zu entnehmen einer Pressemitteilung der Basler Regierung. Außerdem sollen Investitionen von 2 Milliarden Franken getätigt werden. Die Schattenseite: 70 günstige Wohnungen müssen dem Pharmariesen und seiner „Stadtteilaufwertung“ weichen und der Kanton muss sich an den Umbaukosten des Hafens mit 157 Mio. Franken beteiligen, sodass der Verkauf des Hafens sogar noch kostete. Von diesen Geschenken ist heute keine Rede mehr.

Steuergeschenke und das Verscherbeln wertvoller Grundstücke an hiesige Unternehmen hindern einen Konzern nicht daran, an seiner Profitlogik festzuhalten. Die Massenentlassungen sind schlussendlich trotz Rekordgewinnen und trotz der Privatisierung von Volkseigentum erfolgt.

Wenn Extraprofite locken, spielen weder die Existenzen langjähriger MitarbeiterInnen, noch sekundär abhängiger eine Rolle. Und das schlimme ist: Die Volksvertreter spielen ratlos mit.

Dagegen hilft, wie man am aktuellen Beispiel sieht, nur der entschiedene Kampf der Betroffenen.

Mittwoch, 18. Januar 2012

Die LINKE hat recht und hat nichts davon

Hier ein interessanter Artikel von Harald Werner.
Besonders die letzten drei Abschnitte sind auch für andere politische Strukturen im In- und Ausland interessant.