Mittwoch, 30. Dezember 2009

Leuchttürme oder Armleuchter?

Elite ist das neue Zauberwort im Bildungssektor. Man spricht von Begabtenförderung und der Schaffung von Elite(hoch)schulen, die zumeist in privater Trägerschaft liegen oder aber im Rahmen diverser Exzellenzinitiativen zu selbigen gemacht werden. Doch was steckt hinter dem Konzept der Elitenförderung?

Elite meint vor allem Spaltung!
Die Schaffung von Eliten impliziert immer auch die Schaffung einer minderwertigen aber notwendigen Masse, die eben nicht elitär ist.
Zum Einen wird versucht mittels starker Finanzspritzen Bildungsleuchttürme in der Hochschullandschaft zu schaffen, zum anderen wird versucht über das Konstrukt der Begabtenförderung den Bildungselitenstatus personell zu festigen, zum Beispiel durch den Ausbau eines Stipendiensystems bei gleichzeitiger Aushöhlung der allgemeinen Bildungsfinanzierung wie des deutschen Bafögs. Die Bildungsfinanzierung wird nun also nicht aufgestockt, wie es nötig wäre, sondern umgeschichtet, von einer Breitenförderung zu einer Spitzenförderung.
Die Begründung liegt im internationalen Wettbewerb um die Spitzenleute, die forschende Elite. Deshalb werden Konkurrenzdruck und Leistungsdenken im Bildungssektor gefördert. Die Gleichung mehr Konkurrenz = mehr Leistung soll in den Köpfen hängen bleiben. 'Elite' ist, wer vor seinem Studium weiß was er will und sein (Über)Lebenskonzept für sich formuliert hat.

Gleichzeitig widerspricht genau das dem Sinn eines Studiums. Studieren sollte mehr darstellen als die viel kritisierte Bologna-Bulimie-Bildung, bei der schnell reingepresstes Wissen Multiple-Choice Klausuren ausgekotzt werden muss, um die nötige Anzahl an Credits zu erhalten. Ein bestandener Bachelor-Abschluss zeigt vielmehr, dass man Stresssituationen gewachsen ist, als dass man selbständig und wissenschaftlich arbeiten kann. Diesem enormen Leistungsdruck ist es anzulasten, dass in Deutschland mittlerweile jeder 3. das Studium abbricht.

Die Elite kürt sich selbst...

Genau das ist auch politisch gewollt. Die institutionalisierte Bildung hat nicht mehr die Aufgabe einen selbstständig denkenden Menschen zu schaffen, sondern Humankapital bereitzustellen sowie vorhandene Machtstrukturen und Herrschaftsverhältnisse aufrecht zu erhalten. Deshalb wird möglichst früh selektiert. Wer es sich leisten kann, schickt sein Kind auf Privatschulen, um ihm möglichst gute Startchancen zu bieten. Gute Bildung ist schon lange eine Frage des Geldbeutels. Immerhin sind die Chancen eines Kindes aus einem Akademikerhaushalt ein Studium aufzunehmen fünfmal so hoch wie die eines Arbeiterkinds und auch Frauen werden in besonderem Maße aus dem Raster gesiebt. Nur wenig Frauen nehmen die Hürde eines Master-Studiums auf sich, denn aufgrund des später geringeren Verdienstes gegenüber männlichen Kollegen, tragen sie ein höheres finanzielles Risiko bei der Aufnahme eines Studiums.
Oskar Negt beschreibt den gesellschaftlichen Zustand der zur Elitediskussion führt als
„Zustand kultureller und sozialer Zerrissenheit [...] Je verworrener und aussichtsloser eine Gesellschaft an technischen Problemlösungen hantiert, die Vorwärtsbewegung und Erneuerung versprechen, aber auf keinen Fall die bestehenden Macht- und Herrschaftsverhältnisse antasten, desto lauter ist der Ruf nach Hilfsleistungen irgendwelcher Eliten.“
Die Schaffung dieser Eliten beruht also nicht auf der Frage nach ihrer Nützlichkeit, sondern lediglich auf der Tatsache der Durchsetzungskraft und des Ausbootens anderer und ist damit eher mit Gaunerei als mit Leistung zu vergleichen.

Ranking und Meinungsumfragen statt Mitbestimmung...
Neben der Selektion ist ein weiteres Instrument der Elitenschaffung die Entdemokratisierung - Rankings, Votings und Zensuren. Das Wirken dieser Rankings stellt nämlich nicht nur die eigene Mitbestimmung in Frage, sondern fungiert zudem als Analyseinstrument der Eliten. Bewerten Studierende ihre Lehrinstitution als gut, so erhöht sich durch den hohen Wert der Bildungsinstitution auch der Wert ihrer Bildung in der Außenwahrnehmung. Gleichzeitig stellen Rankings eine massive Entmündigung der Studierendenschaft dar, da sie vielmals die Möglichkeit zur gestalterischen Teilhabe (wirklicher Mitbestimmung) aufgeben.

Dieser Entdemokratisierung auf mehreren Ebenen muss die Vision eines demokratischen, selbstbestimmten Lernens entgegengesetzt werden – die Idee einer Gesellschaft, in der die freie Entwicklung eines jeden Bedingung für die freie Entwicklung aller ist. (Marx & Engels) Der Elitegedanke selbst ist, wie auch Prof. Dr. Morus Markard schreibt, nicht demokratisierbar, sondern antidemokratisch.

Samstag, 12. Dezember 2009

Post-Kommunisten

Eigentlich gaben die letzten Wochen sehr viele Ereignisse, die man bloggen könnte. Angefangen, von der stellvertretenden Vorsitzenden der Jungen Union, Nina Warken, die erklärte, dass die IG Metall eine linksextremistische Struktur sei, da sie laut Grundsatzprogramm die Vergesellschaftung der Schlüsselindustrien fordert; bis zu den beiden Besetzungen im Rahmen des Bildungsstreiks.

Heute möchte ich allerdings nur dieses famose Fundstück präsentieren - Das Rätsel um die Frankfurter Post-Kommunisten: PDF