Freitag, 20. Mai 2011

Chaos im Kiosk...

Im Moment sorgt Valora mal wieder für massiven Unmut.
Circa ein Drittel aller Kiosks im Tessin und der Deutschschweiz sollen in Agenturen umgewandelt werden. Kurz gesagt: Das Geschäftsrisiko soll vollkommen auf Filialleitungen abgewälzt werden. Valora bestimmt Öffnungszeiten und Preise, die Filialleitungen kaufen sich mit 20 000CHF ein und kümmern sich um Einsatzpläne, Löhne der Angestellten und tragen das gesamte Risiko. Sie selbst bleiben im Dienste Valoras, erhalten aber anstatt Lohn eine Gewinnbeteiligung. Wer nicht mitspielt, wird ausgebootet durch Wagemutige (Leichtsinnige), die diesen Schritt gehen wollen.
Nun waren wir in den letzten Wochen unterwegs, um mehr über das Projekt zu erfahren und herauszufinden, wie die VerkäuferInnen in Basel eigentlich dazu stehen. Doch was wir auf dieser Tour erfuhren, spottet jeder Beschreibung.
Uns ist klar, dass die Arbeitsbedingungen in den Kiosk Filialen gelinde gesagt scheisse sind.
Einer Angestellten wurde beispielsweise ein Lohn von nur 10,85CHF gezahlt, Pausenzeiten werden nicht eingehalten. Es gibt teilweise ein-Personen Schichten und im Winter sind viele Filialen eiskalt.

Auf dieser Tour zeigten sich aber auch noch andere Abgründe. Klar ist, dass die Aktionärsversammlung vor einigen Wochen Wachstum und Rendite beschlossen hat. Doch diejenigen, die diese Ausschüttungen erwirtschaften sollen, wurden nicht gefragt. Dabei bleibt festzuhalten, dass die Arbeitsbedingungen jetzt schon unmenschlich sind.
Eine Person berichtete von einer Verwarnung, weil sie nach 7,5 Stunden Arbeit eine Pause verlangt hat. Sie sei „nicht teamfähig“ wurde ihr entgegnet. Auch die Umstrukturierung in Agenturen wird eher kritisch gesehen. Sie wissen, dass diese Scheinselbstständigkeit zu massiver Selbstausbeutung führen wird und gerade die kleinen Kiosks werden kaum genug Geld zum Überleben abwerfen. Gleichzeitig bleibt aber auch die Angst neue Chefs vor die Nase gesetzt zu bekommen oder entlassen zu werden, weil die eigene „Leistungsbereitschaft“ den anstehenden Anforderungen nicht genügt.
Um die Umsätze zu steigern wurden nun Wochenangebote etabliert. Es werden Rankings erstellt und wer den „Wochenhit“ nicht oft genug anpreist und verkauft, kann mit Verwarnungen und anderen Repressionsmassnahmen rechnen.
Doch das Härteste sind die Einzelschichten. Die VerkäuferInnen können ihre Filiale nicht mal eben schnell schliessen. Sie müssen präsent sein, um Diebstahl und ähnliches zu verhindern. Parallel dazu sind Schichten, die die 8 Stunden überschreiten keine Seltenheit. Wenn ein/e VerkäuferIn also auf die Toilette muss, wird es eng. Nicht in allen Filialen befinden sich Toiletten in Reichweite und selbst wenn, so müssen die VerkäuferInnen ihre Notdurft bei offener Tür verrichten, um sicher zugehen, dass sie keinen potentiellen Kunden überhören. Doch auch das kann Valora man an Menschenverachtung noch toppen. Allein in Basel gibt es mehrere Filialen in denen der Weg zur Toilette weit ist. Oft wissen sich die VerkäuferInnen nicht anders zu helfen, als dass sie hinter der Theke in ein Gefäss urinieren oder im noch schlimmeren Fall - in die Hose.
Wie kann ein Unternehmen so viel Druck aufbauen, dass Menschen derartige Arbeitsbedingungen verbittert ertragen? Und wie hoch muss der gesellschaftliche Druck zur Erwerbsarbeit sein, um das hinzunehmen?
Ohne das positiv zu werten, bleibt zu sagen, dass die Leidensbereitschaft einiger Kiosk VerkäuferInnen schier grenzenlos ist.

Montag, 2. Mai 2011

1. Mai Demonstration und Fest in Basel



1. Mai Demo in Basel